Beziehung zu Essen & eine kulinarische Herausforderung (Pt 1)

Meine Beziehung zu Essen war sehr lange „basic“. Zuhause kochten meine Eltern, später auch mein Bruder und mein Freund. Mama konnte besonders gut backen, Papa besonders gut kochen. Das Essen schmeckte immer gut genug als dass ich mich je nach etwas anderem gesehnt hätte und es gab kaum etwas, was ich gar nicht essen mochte. Ich selbst konnte nur Grundlagen zubereiten. Ansonsten übernahm ich in der Küche eher die vorbereitenden oder säubernden Aufgaben. Zur Enttäuschung meiner Eltern zeigte ich nämlich wenig Interesse, mich dem Kochen/Backen zu nähern. Ich sah die Ernährung eher als eine Notwendigkeit an: man musste schließlich essen und trinken, um sich Energie zuzuführen. Ansonsten fand ich, dass mann viel zu lange kochte und im Vergleich dazu viel zu schnell mit dem Essen fertig war – lohnte sich so ein Aufwand dann überhaupt?! Manchmal aß ich auch als eine Art Ablenkung von unangenehmen Gefühlen/Gedanken aber vor allem aß ich als eine Beschäftigung bei Langeweile. Diese Einstellungen zur Ernährung waren so lange unproblematisch, wie ich bei meinen Eltern lebte, denn hier stand immer mehr gesundes als ungesundes Essen sowie Trinken zur Verfügung.

Im Studium fiel dieser gute Einfluss weg und meine Ernährung wurde sehr reduziert und war aus heutiger Sicht ziemlich traurig: Basics (Nudeln, Kartoffel, Reis), Tiefkühlgerichte/-gemüse, Dosenfutter. Das einzige was ich nicht tat war viel Fast-Food oder Essensbestellungen. Gott sei Dank gab es eine relativ anständige Mensa, die ich unter der Woche jeden Tag besuchte. Was hätte ich bloß zu der Zeit als kulinarische Leistung aufgeschrieben?! 😀

Im zweiten Uni-Semester versuchte ich Stück für Stück etwas vielseitiger zu essen, aber lasst mich ehrlich sein, ich hatte nicht so viel Ehrgeiz, ich merkte nur, dass es eine ungesunde Lebensweise war. Ein gesundes Leben und Self-Care standen für mich nicht weit oben in der Prioritäten-Liste, wenn überhaupt. Meine Prioritäten-Liste war vollkommen von all den Dingen eingenommen, von denen ich dachte, dass ich sie machen sollte (für andere und für mich), ganz oben standen immer Arbeit und Uni und ganz unten stand ich. Über Prioritäten werde ich später noch einmal schreiben, denn diese bekloppte Einstellung meinerseits war nicht nachhaltig. 😉

Ernsthaft konfrontiert wurde ich mit dem Thema „Ernährung“ als ich auf Grund von vielen eigenartigen körperlichen Symptomen zur Ärztin ging und meine Blutwerte verrieten, dass ich einen enormen Vitamin B12 Mangel hatte. Ich hatte vorher schon in Betracht gezogen, irgendwelche Unverträglichkeiten zu haben, die meine Schmerzen auslösten. Wenn ich aber selektiv aß (was ich nie konsequent durchzog!) konnte ich keine klaren Muster erkennen. Neben dem Stressfaktor als möglicher Auslöser war der Mangel auch ein Phänomen, welches viele Veganer oder Vegetarier erlebten – aber ich aß doch alles, oder … oder? 😀 Um den Symptomen Herr(in) zu werden, verschrieb mir die Ärztin erst einmal Tabletten als Ergänzungsmittel (das gleiche als Spritzen wollte ich nicht!), die ich ein paar Monate zum Auffüllen des Vitamins nahm.

Meine Ernährung entwickelte sich ab sofort kleinschrittig, da ich zumindest meine Palette um die Produkte erweiterte, die Vitamin B12 sowie andere Nährstoffe beinhalteten, die bei der Aufnahme dieses Vitamins halfen. Solange ich aber noch davon überzeugt war, dass ich einfach ein bisschen „kaputt“ war oder mein Körper schlecht funktionierte, nahm ich immer, wenn die Symptome wiederkamen (die Tabletten halfen ein paar Monate) eine neue Runde Tabletten. Irgendwann war ich soweit und traute mich, sie einfach mal wegzulassen und stattdessen mehr Energie in meine Essensauswahl zu stecken. Zu dieser Entscheidung ist hinzuzufügen, dass ich zur gleichen Zeit sehr viel darüber lernte, meine Ressourcen (Energie, Zeit etc.) durch das bewusste und richtige Setzen/Einsetzen von Prioritäten nachhaltiger zu verwalten. Der Arztbesuch, bei dem der dann schon „hundertste“ Bluttest endlich bewies, dass ich meinen Vitaminspiegel alleine gut aufgebaut und gehalten hatte, war ein riesiger Sieg für mich! Ernährung machte also doch einen Unterschied, war nicht nur ein Mittel zum Zweck und ich konnte durch meine Entscheidungen die Versorgung meines Körpers bewusst steuern. Diese Erkenntnis bedeutete für mich viel auch wenn sie für einige von euch sehr offensichtlich scheint.

Doch bessere Ernährung löst halt nicht alles. Im Sommer 2018 bekam ich eine chronische Magenschleimhaut-Entzündung, die auch wieder auf Stress zurückzuführen war. Dass es durch Stress ausgelöst wurde, konnte ich durch meine stärker werdende Selbtbeobachtung und Selbstkenntnis selbst feststellen. Ich hatte zwar die zwei Tage vorher sehr scharfe Sachen gegessen und etwas Alkohol getrunken, aber dieser akute und unheimlich schmerzhafte Ausbruch folgte auf einige Faktoren, die mich zu sehr in diese bestimmte verzweifelte Angst/Panik-Energie hineinzog in der ich mich in einer hoffnungslosen Opferrolle sah. „Why me? Why here?“ Es war weiiiiit außerhalb meiner Komfortzone — sprichwörtlich sowie wortwörtlich. „I can‘t handle it! What if… blablabla.“ Es war halt die Angst-/Panik-Stimme, denn jetzt weiß ich, dass der B12 Mangel sowie die akute Entzündung durch meine Angststörung bedingt waren. Der der Mangel sowie die akute Entzündung waren logische Nebeneffekte von meinem exorbitant hohen und nicht gut verwalteten Stresslevel, die sich jeweils mit ihren eigenen creepy Symptomen zeigten.

Eine Magenspiegelung (ohne Betäubung jedweder Art! not cool!) bewies, dass mir nichts anderes übrig blieb, als die Entzündung durch Geduld und bewusste, schonende Ernährung weg zu therapieren. Dieser Prozess dauerte im Endeffekt, so wie es mir auch prophezeit wurde, etwa 1 – 1 ½ Jahre. Essen wurde jetzt etwas, was es zu entdecken galt. Wie funktioniert es? Was braucht der Mensch? Was brauche ich? Es gibt eine anti-entzündliche Ernährungsart? Cool! Essen kann so sinnlich und spannend sein! Ich glaube, so etwas könnte ich auch. Lass es mal ausprobieren.

Um meine Ernährung besser nachzuvollziehen, hielt ich es sogar ein paar Monate lang durch, ein Essenstagebuch zu führen! Hier ein paar Beispiele:

Kulinarische Leistungen bestanden also bis dahin darin, eine solide, wenn auch nicht perfekte Ernährung aufzubauen und vor allem Essen genießen zu lernen! Dieser Prozess hält bis heute an. Trotz dieser Entwicklung bin ich immer noch ein eher konservativer Esser. Neue Sachen werden nur langsam und schrittweise eingeführt. Ganz abgefahrene Sachen machen mir vielleicht noch zu viel Angst, ich könnte irgendwelche allergischen Reaktionen haben. Ein neues Highlight seitdem: Koch- und Backserien aus der ganzen Welt gucken ❤

Eine kulinarische Herausforderung:

Vor ein paar Monaten hatten ein paar Bekannte und ich die Idee so etwas wie ein „Promi-Dinner“ zu machen. Unsere „Regeln“ sind auf dem Bild rechts nachzuvollziehen. Es musste vegan sein (zwei sind Veganer), aus mindestens drei Gängen bestehen und der gesamte Abend ein gewisses Motto haben. Das ganze bewerteten wir nach gewissen Kriterien anonym.

Trotzdem es Spaß machte und die Leute toll waren, war es für mich eine große Herausforderung. Ich kannte schließlich keine spannenden, respektive veganen Rezepte und hatte außerdem keine Sicherheiten, dass ich das Essen der anderen vertragen würde. Auch wenn ich mich entschied, das nicht zu beachten: „Don‘t be a chicken! Sie sind nett, was auch immer passiert, das schafft ihr schon!“, war ich bei jedem Treffen ziemlich nervös und mein Anxiety-Level hoch. Leider habe ich nicht viele Fotos bei den anderen Teilnehmern gemacht und erinnere natürlich auch nicht mehr alle Details. Hier folgen die Highlights und Beiträge der anderen.

Der erste Abend stand unter dem Motto „Afrika oder nicht?“. Das Spiel des Abends war es, bei jedem Gang zu schätzen, ob es eine Kreation des Kochs oder ein original afrikanisches Gericht war. Das war witzig, zumal ich wirklich wenig Ahnung der afrikanischen Küchen hatte und als Grundlage meiner Schätzungen versuchen musste, seine Körpersprache und die der anderen zu lesen. Das Essen war außer einem Rosenwasser-und-noch-was-anderes-Drink für mich ziemlich lecker.

Mein Beitrag folgt im nächsten Post ;)))

Bei einem weiteren Beitrag ging es um Gerichte der thailändischen Küche – super lecker! Nur ein Mango-Salat war mir viel zu scharf, während die anderen es abgöttisch liebten. Der Koch war themenbezogen gekleidet und es gab sogar Live-Koch-Einlagen, weil er so professionell sein leichten Verzug in der Planung kaschierte. 😀 Hier habe ich leider kein einziges Foto gemacht!! 😦

Die abschließende Runde fand in Waren statt. Die Formulierung des Mottos erinnert heute keiner mehr – habe nachgefragt! 😀 Die Kandidatin hatte jedem Teilnehmer eine gestaltete Oblate und ein Gericht gewidmet. Vor jedem Gericht las sie einen kleinen Text oder Rätsel vor und stellte eine reflektierende Frage in die Runde. „Mein“ Gericht (eine Suppe) passte sogar wie die Faust aufs Auge zu dem, was ich anhatte!

Unser Projekt wurde nach dem Beitrag in Waren bei einem Sushi-Essen vor Ort und Punkte-Auszählen abgerundet. Die Waren-Teilnehmerin gewann und bekam ihr Essen von uns ausgelegt und das Sushi war der Hammer ❤

Nächste Woche geht es dann an mein 3-Gänge-Menü inklusive aller Rezepte und Erfahrungsbericht!!

>> to be continued <<

Guten Appetit, Annika!

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