Meine Angst & Panik (Pt 3)

Zur Beitragsreihe und über den letzten Post: Der folgenden Posts ist der erste in einer Reihe (hier zu Part 1), in der ich mir die Zeit nehme, das gesamte Phänomen „Angst/Panikstörung“ aus meiner Perspektive zu schildern und meine Herangehensweise an diese Herausforderung teile. Ich habe versucht, das Ganze nicht zusätzlich zu dramatisieren, es kompakt zusammenzufassen und dennoch anschaulich zu beschreiben. Zwischendurch streue ich psychologische Erklärungen und interessantes Hintergrundwissen. Außerdem möchte ich vorher noch betonen, dass meine Geschichte keinesfalls außergewöhnlich ist und Denk- und Verhaltensmuster beinhaltet, die viele Menschen in unterschiedlicher Intensität erleben. Vielleicht erkennt ihr Aspekte auch in eurem Leben wieder. Ich hoffe, dass meine Offenheit bei diesem Thema euch zu neuem Verständnis und Offenheit inspiriert. Ich glaube, dass man keine AngstSTÖRUNG haben muss, um in der heutigen Welt mit Angst und Panik Bekanntschaft gemacht zu haben und nun etwas darüber lernen zu wollen. Wer weiß, welche Türen das öffnet… ❤ #awareness

>> Part 1 <<

„Meine Wahrnehmung & Verhalten als Kind und Teenager“ & „Wieso kann das so verlaufen?!“

>> Part 2 <<

„Erste Schritte des Heilens“

>> Part 3 <<

„Panikattacken“, „Krankenhaus & vorläufige Diagnose“

>> Part 4 <<

„Das Buch über die Awareness Commitment Therapie“

>> Part 5 <<

„Zusammenfassung des Buches“, „Mein Ausblick & Reflexion“

>> find below <<

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Panik und Krankenhaus

Bei der ersten Panikattacke war ich bei meinem Freund Zuhause. Die Symptome kamen unverhofft und wir dachten, es sei ein Kreislaufkollaps. Der letzte Kreislaufkollaps hatte sich schließlich genauso angefühlt wie diese Attacke. Mein Freund unterstützte mich gut und Papa, der irgendwann mit einem Pulsmessgerät dazu kam, schaffte mich in einen Zustand zurück, in dem ich nicht mehr den Arzt anrufen wollte. Ich blieb also die Nacht mit niedrigem Blutdruck im Bett und versuchte die übermäßigen Symptome wegzumeditieren, alle Muskeln zu entspannen und rational zu denken. Erst später lernte ich zu verstehen, was Panikattacken genau ausmachte und musste mir auch eingestehen, dass viele (wahrscheinlich fast alle!!) meiner vergangenen Beschwerden oder Kreislaufprobleme, so wie in diesem Fall, schlichtweg Panik gewesen waren. Früher ließen sich diese Beschwerden, meine Illusion eines schwachen Körpers, durch Ruhe und Betüttelt-Werden wieder normalisieren. Dieses Mal dauerte dieser Prozess einen Tag, da meine Sensibilität über Wochen gereizt worden war und ich mir weder das Timing noch die Symptome hatte erklären können. Außerdem „fehlten“ mir meine zwanghaften Kontrollmechanismen, die ich erfolgreich für einen gesünderen Lebensstil abgelegt hatte. Am folgenden Tag war ich noch sehr schlapp, erholte mich aber wieder von alleine.

Eine Woche später war ich bei einer der triggernden Bekannten aus dem Studium zu Besuch. Sie erzählte etwas Triggerndes, mein Oberschenkelmuskel zuckte müde nach einem langen Arbeitstag und los ging es. Auch dieses Mal sank mein Blutdruck rapide ab und durch meine Erfahrungen nur eine Woche zuvor, fing ich an, mich schneller als je zuvor reinzusteigern – Symptome folgten. Ich dachte: „Jetzt ist es wirklich soweit, irgendetwas muss definitiv kaputt an mir sein. Mein Körper lässt ich im Stich“. Ich verbrachte die Nacht im panischen Delirium im Bett der netten aber triggernden Bekannten (Danke für deine Unterstützung!) und nahm obsessiv meinen Puls, der so niedrig war, dass ich eigentlich hätte am Schlafen sein müsste. Einschlafen ging nicht. „Was, wenn ich nicht wieder aufwache?“ Zwischendurch telefonierte ich mit meinem Papa und meinem Freund (Danke, dass ihr abgenommen habt!). Am Folgetag war es nur wenig besser und ein anderer Kommilitone fuhr mich zu meiner Wohnung. (Danke dafür!) Dort blieb ich bis zum Nachmittag im Bett. Meinem Mitbewohner, Sanjay, hatte ich bis dahin unfreiwillig schon sehr viel Angst gemacht. Da es nicht besser wurde und Papa oder mein Freund mir über das Telefon nicht helfen konnten, folgte mehr Angst und Symptome, sodass ich den Notarzt rief.

Hallo Krankenhaus, hallo Erwachen!

Die Rettungsleute waren kompetent, locker und optimistisch. Allerdings benahm sich mein Blutdruck bei einigen Tests alles andere als normal und sie fuhren mich ins Krankenhaus. EKG. Lange warten. Sie sind gesund! Wahrscheinlich mental. Der Psychiater kam. Ich erzählte. Seine Diagnose: wahrscheinlich Angststörung / Panikstörung. Hypochonder. Nicht tragisch. Keine Bange.

Er: Das klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber…
Ich: Sagen sie es einfach. Seien sie so brutal wie sie können, ich kann mit klaren Ansagen besser arbeiten!
Er: Sie haben ihre Symptome in einem Teufelskreis aus Angst, die zu Symptomen führt, die Angst machen und zu mehr Symptomen führen etc. selbst erschaffen. Aber das ist etwas Gutes! Sie sind gesund und was Sie selbst erschaffen haben, das können Sie auch wieder alleine stoppen.
Ich: Okay … gut, okay, mental ... (Ich war sehr bereit das anzunehmen. Ich kannte meine mentalen Kämpfe und kleinen Triumphe ja schon lange) … aber alles?
Er: Ja alles. Sie könnten theoretisch jetzt aufstehen und einen perfekten Sprint hinlegen.
Ich: Einfach so?
Er: Einfach so.
Ich: Mhh Okay.
Er: Ich erzähle Ihnen mal etwas (folgendes steht auch im Buch)
  • es gibt verschiedene Arten von Angst.
    • Furcht vor einer akuten Bedrohung (gegenwarts- und objektbezogen) → auf Englisch „fear“
      • man sieht einen Säbelzahntiger
      • Körper startet alle internen Mechanismen zum Kämpfen oder Wegrennen
      • Furcht geht nach dem Verschwinden der Bedrohung weg
    • Angst vor einer nicht wünschenswerten Eventualität (zukunfts- und nicht objektbezogen) → auf Englisch „anxiety“
      • Da könnte ein Säbelzahntiger lauern.
      • Körper stellt auf „Achtungsmodus“ mit internen Mechanismen zum Bald-Losrennen oder -kämpfen.
      • Angst verebbt, sobald Eventualität wieder unwahrscheinlich wird
    • gestörte Angst vor einer nicht wünschenswerten Eventualität (zukunfts- und nicht objektbezogen) → auf Englisch „anxiety disorder“
      • Da könnte ein Säbelzahntiger lauern.
      • Körper stellt auf „Achtungsmodus“ mit internen Mechanismen zum Bald-Losrennen oder -kämpfen.
      • Einschätzung der Wahrscheinlichkeit von der Eventualität verzerrt
      • Reaktion auf Angst: notorisches Vermeiden von oder Flüchten vor Gefühlen und den Szenarien, die es auslösen können
  • in meisten Fällen sind Angst-Gefühle und -Gedanken also natürlich, nützlich und nicht gefährlich
Er: Und ich erzähle Ihnen noch etwas. Ihre Angst/Panik hat sich sich über Wochen oder Monate langsam aufgebaut und dann so etwas wie ein Plateau an Angst ergeben, welches nur langsam wieder absinken wird. Stellen Sie sich also auf ein nur langsam Verringern der Gefühle und Gedanken ein.
Ich: Ist okay.
Er: Wie weit sind Sie zu Fuß von Zuhause entfernt?
Ich: Etwa 45 Minuten.
Er: Sind Sie bereit für ein Experiment, in dem Sie sich beweisen können, wie stark Sie sind und dass es ein mentaler und kein körperlicher Zustand ist?
Ich: Ja!
Er: Dann schlage ich Ihnen vor, dass sie sich jetzt gleich ihre Tasche schnappen, bei REWE die Straße runter eine Wasserflasche holen (es waren mehrere Tage um die 38°C) und zu Fuß nach Hause gehen ohne jemanden um Hilfe zu bitten.
Ich: Ok … ja, das klingt gut.

So oder so ähnlich ist das Gespräch zusammenzufassen. Ich fasste mir ein Herz (und meine Tasche) und taperte langsam durch die tiefstehende Nachmittagssonne zu Fuß nach Hause. Und es ging! Ich machte zwischendurch ein paar Pausen, da ich einiges zu verarbeiten hatte. Ich saß da also auf einem Rasen an der Straße und später vor einem Hauseingang im Schatten und war so stolz und erleichtert!!! Mein Leben hatte sich um 180° gedreht und ich wusste, dass das, was der Therapeut erzählt hatte, stimmte. Auch wenn sich mein restlicher Zustand nicht maßgeblich verändert hatte, waren meine rein körperlichen Symptome so heruntergefahren, dass ich zumindest funktionierte. Ich ließ sie nicht weiter eskalieren, weil ich jetzt wusste, was da in mir rein technisch gesehen passierte. Das Nach-Hause-Gehen war für mich eine kurze, prägnante und gelungene Verhaltenstherapie!

< to be continued >

Grüße, Annika

P.S. Hier findet ihr Teil 1 und Teil 2 der Reihe.

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