Meine Angst & Panik (Pt 2)

Zur Beitragsreihe und über den letzten Post: Der folgenden Posts ist der erste in einer Reihe (hier zu Part 1), in der ich mir die Zeit nehme, das gesamte Phänomen „Angst/Panikstörung“ aus meiner Perspektive zu schildern und meine Herangehensweise an diese Herausforderung teile. Ich habe versucht, das Ganze nicht zusätzlich zu dramatisieren, es kompakt zusammenzufassen und dennoch anschaulich zu beschreiben. Zwischendurch streue ich psychologische Erklärungen und interessantes Hintergrundwissen. Außerdem möchte ich vorher noch betonen, dass meine Geschichte keinesfalls außergewöhnlich ist und Denk- und Verhaltensmuster beinhaltet, die viele Menschen in unterschiedlicher Intensität erleben. Vielleicht erkennt ihr Aspekte auch in eurem Leben wieder. Ich hoffe, dass meine Offenheit bei diesem Thema euch zu neuem Verständnis und Offenheit inspiriert. Ich glaube, dass man keine AngstSTÖRUNG haben muss, um in der heutigen Welt mit Angst und Panik Bekanntschaft gemacht zu haben und nun etwas darüber lernen zu wollen. Wer weiß, welche Türen das öffnet… ❤ #awareness

>> Part 1 <<

„Meine Wahrnehmung & Verhalten als Kind und Teenager, „Wieso kann das so verlaufen?!“

>> Part 2 <<

„Erste Schritte des Heilens“

>> Part 3 <<

„Panikattacken“, „Krankenhaus & vorläufige Diagnose“

>> Part 4 <<

„Das Buch über die Awareness Commitment Therapie“

>> Part 5 <<

„Zusammenfassung des Buches“, „Mein Ausblick & Reflexion“

>> find below <<

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Erste Schritte des Heilens

Der Prozess, alte Wunden zu heilen oder über sie hinaus zu wachsen, ist fließend und nicht immer in klare Schritte aufteilbar. Im Kontrast dazu erfolgt ein „Erwachen“ ruckartig. Ich benutze diesen Begriff für ein Sich-Bewusst-Werden von einer subjektiven Wahrheit, die die eigene Weltanschauung oder das Selbstbild in neues Licht rückt. Diese Wahrheit war also schon vorher irgendwo in einem vorhanden, sie blieb einem aber aus bestimmten Gründen bis zu dem Moment des „Erwachens“ verborgen. Im Rückschluss heißt das auch: „Erwachen“ ist ein Widerlegt-Sehen von alten, subjektiven Unwahrheiten (=Regeln und Anschauung, die man über sich aufgestellt hat und als fix und unveränderbar angesehen hat). Momente des „Erwachens“ sind dann die Situationen, in denen sich persönliche Problematiken ruckartig loslösen und man durch neue Erkenntnisse einen neuen Aspekt des Heilens oder Wachsens „freischaltet“. Damit sich etwas ruckartig loslösen kann, muss sich vorher ein gewisser Druck aufbauen. Dies kann man sich metaphorisch wie tektonische Platten vorstellen, die unterirdisch lange aneinander reiben (unbewusste, interne Probleme und Herausforderungen), bis sich plötzlich der Druck löst und an der Oberfläche Phänomene wie Flutwellen oder Vulkane ausgelöst werden. Im übertragenen Sinne können diese Phänomene von einem hemmungslosen Weinen, einem Wutanfall, einem anderen Lebensstil über das Verpuffen von Wut oder Missgunst ganz unterschiedlich und positiv sowie negativ ausfallen. In jedem Fall sind sie aber markant.

Dafür, dass sich bei mir genug Druck bezüglich dem Lösen meiner „Angstsituation“ aufbaute und ich bereit für ein „Erwachen“ war, musste erst einmal einiges passieren. Hier einige Punkte:

  • Durch den existentiellen Charakter meiner Ängste war ich schon immer daran gewöhnt, mich mit existentiellen Fragen und Problematiken zu beschäftigen.
  • Außerdem hatte ich früh über eine Therapie, die meine Mutter für mich und meinen Bruder arrangierte, ein Verständnis dafür entwickelt, wie man Menschen oder spezifische Problematiken methodisch erforschen kann und erlebt, dass man sie tatsächlich lösen und hinter sich lassen kann!
  • Die Werke von Carol Tuttle (v.a. Energy Profiling) hatten mir eine gesündere Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung anderer Menschen ermöglicht.
    • Es zeigte mir, dass ich nicht kaputt oder auf eine Weise fehlerhaft war, die mich zu einem geringeren Menschen machte!
    • Ich war in meinem essenziellen Sein sogar irgendwie ziemlich schön und das Gleiche galt für alle andere Menschen.
  • Darüber hinaus lernte ich an diversen Inhalten zum praktischen Selbstmanagement, trotz meiner Ängste voll funktionsfähig zu werden.
    • Ich lernte auf eine gesunde Art und Weise mein Leben effektiv und organisiert aufzubauen, ohne mich zu regelmäßig energietechnisch auszubrennen oder zwanghaft zu kontrollieren. Beides war vorher ständig der Fall gewesen, da ich immer im „Leben und Tod“-Modus operierte und wenig Moderation kannte.
  • Diverse weitere Schriften gaben mir Werkzeuge, die Essenz der Dinge/Welt/Mir und meine Spiritualität zu erforschen. Ich wagte, in meine Ängste hineinzuhören und erahnte, dass ich da doch mehr zum Positiven bewegen könnte, als ich mir vorher je zugetraut habe.

Im Laufe der Jahre, die ich diese Schritte ging, wurde mir immer deutlicher, wie viel Platz und Macht „Angst“ in meinem Leben hatte (und auch von welchen Erlebnissen die stammen könnten). Trotzdem ich bereits weniger Hypochonder-Gedanken hatte, bewusst weniger Kontroll-Verhaltensweisen verfolgte und eine gesündere Einstellung zum Alltagsleben angenommen hatte („Ich atme noch und ich blute nicht – also ist nichts wirklich dringlich.“), war die Angst nicht weg und immer noch stark. Dazu kam, dass ich völlig unsicher war, was nun echte körperliche Symptome waren, um die sich medikamentös gekümmert werden sollten und welche Symptome ich durch meine Angst mental auslöste, die also nur verschwinden würden, wenn ich weiter psychologisch an mir arbeite. Ich wusste auf der einen Seite, dass ich manche Situationen selbst bedingt hatte. Auf der anderen Seite hatten mir Ärzte manche Krankheiten (z.B. Lungenentzündung, chronische Magenschleimhaut-Entzündung) bestätigt und symptomatische Phänomene (z.B. niedriger Blutdruck, Vitamin-Unterversorgungen etc.) attestiert…

Ich war entschlossen, den nächsten Schritt zu gehen, wusste aber nicht, wo ich anfangen sollte.

Jetzt geht’s an die Angst!

Vor meinem letzten Bachelorsemester suchte ich aus diesem Grund eine Heilpraktikerin auf, die mit Methoden aus der Energetischen Psychologie arbeitet.

Energetischen Psychologie: Techniken, die emotionale und kognitive Vorgänge mit körperlichen, sensorischen Reizen in Zusammenhang bringen; wird eingesetzt bei der Veränderung von dysfunktionalen Emotionen und einschränkenden Glaubenssätzen.

Die Heilpraktikerin wurde mir von verlässlichen Quellen empfohlen und ich hatte mich über die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Methoden informiert. Ihr Ansatz passte sehr gut zu meiner Intention: Ich wollte mich nicht sofort in die Hände vieler spezialisierter Ärzte oder Psychologen begeben. Stattdessen wollte ich mir zunächst einen klareren Überblick darüber verschaffen, was ich bereits bewusst und unbewusst über meine Beziehung von Psyche und Körper wusste. Die Sitzung war toll und wir haben genau die Themen und Erlebnisse aus meinem Unbewusst-Sein heraufbefördert, die ich brauchte, um weiter zu arbeiten. Es bestätigte/zeigte, …

  1. dass ich eine äußerst starke Bindung zu / Identifikation mit meinem Körper aufgebaut hatte.
  2. dass ich wusste, dass ich generell keine spezifischen oder gefährlichen Krankheiten und andere Fehl- oder Unterfunktionen des Körper habe, auf die man sofort reagieren musste.
  3. wo in meiner Biographie einige der Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen entstanden sein könnten.
  4. dass die Störung also nicht im Körper, sondern wenn, dann in meiner Psyche, bzw. der Beziehung zwischen meinem Selbst und dem Körper liegt.

Wenn man das, was ich im Text bisher beschrieben habe bedenkt, scheint das Ergebnis der Sitzung sehr offensichtlich und nicht überraschend. Doch ihr dürft nicht vergessen, dass ich zu dem Zeitpunkt gar nicht in der Lage war, all die eben beschriebenen Sachen überhaupt in Worte zu fassen oder Muster darin zu erkennen. Für mich war das alles ein leidiger Ball aus emotionalen und kognitiven Wirrwarr, bei dem ich meinem eigenen Urteil nicht einmal mehr trauen konnte.

Eine „Nebenwirkung“ der Sitzung war auch, dass meine Angst/Panik in den folgenden Monaten eine niedrigere Toleranzschwelle hatte – ich war also extra sensibel.

Im folgenden Semester war ich mit Menschen konfrontiert, die selbst eine sehr herausfordernde Zeit mit vielen Ängsten, Unsicherheiten und Anstrengungen durchlebten. Sie waren sehr nett und ich verbrachte gerne Zeit mit ihnen. Doch regelmäßig lebten einige von ihnen mir Verhaltensweisen vor, die ich mit meinen ungesunden Gefühls-, Denk- und Verhaltensmustern von meiner Angst/Panik verband und von denen ich mich die letzten Jahre über mühsam entfernt hatte. Mit jedem Mal, das ich das empathisch miterlebte, sogar darauf einging oder nur daran dachte, steigerte sich langsam aber stetig mein Angst-Level. Zusätzlich schrieb ich meine Bachelorarbeit, was natürlich dem Stresslevel nicht senkte, obwohl mir die Arbeit vergleichsweise kaum Bauchschmerzen machte. Ich spürte, wie sich mein Angstlevel immer weiter aufbaute. Ich hatte keine Zeit groß darauf zu reagieren, außer mit Freunden zu reden etc. Außerdem funktionierte ich ja… die Arbeit lief erfolgreich weiter und ich dachte, dass dies jetzt halt ein anstrengendes Semester wird und fertig – ist doch nicht so schlimm. Bis irgendwann innerhalb einer Woche zweimal in prägnanten Panikattacken gipfelte…

< to be continued >

Grüße, Annika

P.S. Hier findet ihr den Post 1 der Reihe.

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